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Gasthof zur Erholung

Gasthof mit 230 jähriger Tradition

Am 11. November 1779 wurde durch das Oppensche Gericht zu Jütrichau die Baugenehmigung für den Neubau eines Hauses und gleichzeitig die Gewer­bekonzession zum Handel und Verkauf von Bier, Branntwein sowie ande­ren Getränken erteilt. In den Jahren 1799 bis 1818 konnten dann die zum Gaststättenbetrieb notwendigen Hofgebäude durch den damaligen Gastwirt Christian Schulze und seine Ehefrau Sophie errichtet werden.

 

Später war der Häusler Christian Müller, aus dem benachbarten Rodleben stammend, der Betreiber des Gasthofes.

Durch Kaufvertrag vom 3. März 1887 übernimmt den Gasthof mit allen zu­gehörigen Ackerplänen der Gastwirt Friedrich Gottlieb Hermann Ganzer. Geboren wurde er am 15. August 1860 und verstarb am 3. September 1903. Die Zeiten waren ruhig und somit entwickelte sich ein prosperierendes Geschäft.

Im Jahre 1888 wurde ein Saal angebaut, welcher häufig und gern bis zum Jahre 1935 genutzt wurde. Noch vor dem Ausbruch des 1. Weltkrieges erhielt die Gemeinde Jütrichau im Jahre 1913 durch die damalige Überlandzentrale Anhalt-Dessau elektrisches Licht. Der Standort der Transformatorenstation war so gewählt worden, dass der Hauptabnehmer an Kraftstrom im Bereich der Domäne erfolgte. Aber auch im Gasthof brannte jetzt das elektrische Licht. Weiterhin erfolgte im Jahre 1914 der Neubau der Seitengebäude, einschließlich einer Küche, einiger Gästezimmer, eines Waschhauses und einer Räu­cherkammer sowie weiterer Stallanlagen für Nutzvieh und einen Ausspann.

Dann im Jahre 1923 übernahm der Gastwirt Hermann Ganzer, geboren am 14. Juli 1886 von seiner Stiefmutter Friederike Ganzer das ganze Anwesen. Im Jahre 1926, sehr früh für eine Gemeinde mit wenigen Abnehmern, erhielt der kleine Ort Jütrichau ein Netz für Stadtgas durch die damalige Deutsche-Continental-Gasgesellschaft Dessau.

Weitere Gebäudeteile mussten errichtet werden, z.B. Pferdeställe für den vorbeifahrenden Ausspann. Auch feste Brennstoffe wie Koks und Kohlen benötigten eine Lagerfläche. In den folgenden Jahren nahm der Verkehr mit Lastkraftwagen ständig zu. Der nun genehmigte Güterfernverkehr durch Jütrichau machte den Neubau eines Parkplatzes dringend notwendig. Um die nötige Baufreiheit zu gewinnen, musste die Tanzfläche geopfert wer­den, sicher zum Bedauern vieler Jütrichauer. Zugleich wurde eine Tankstelle errichtet.

Immer mehr Gäste kehrten in dem Wirtshaus ein, das Geschäft florierte. Jetzt kam der Vorschlag eines weiter denkenden Gastwirtes an die Reichs­straßenbauverwaltung in Dessau, dass die neu zu bauende Straße von Dessau nach Zerbst unmittelbar am Gasthof vorbei führen sollte.

Daraufhin wurde der alte Saal abgetragen, denn er stand mitten auf der geplanten Straße.

Neben der Gaststätte gab es ein Kolonialwarengeschäft sowie einen Koks­und Kohlehandel, wo man seit 1921 einkaufen konnte. Im Jahre 1935 erfolgte ein Saalneubau und im darauffolgenden Jahr schloss sich der Neubau des bis heute bestehenden Gebäudes an. Zur gleichen Zeit wurde der Gast­hof „Zur Erholung" in eine „Raststätte" umbenannt, was wohl aus werbe­technischen Gründen geschah.

Für die spätere Weiterführung der Raststätte war der Sohn Hermann Ganzer jun. vorgesehen. Er war ausgebildeter Gas­tronom. Jedoch aus politischen Gründen hat er mit seiner Familie im Jahre 1959 die ehemalige DDR verlassen.

 

Die Raststätte musste danach an die Konsumgenossenschaft Zerbst verpachtet werden. Nach dem Tode von Her­mann Ganzer am 27. August 1968 unterhielt die Witwe Frieda Ganzer das Anwesen allein.

Sie verkaufte aus Altersgründen die gesamte Immobilie am 13. Februar 1975 an die Eheleute Manfred und Olga Meyer. Diese betrieben die Raststätte be­reits seit dem Jahre 1973. Der neue Betreiber der Raststätte fragte sich oft, woran es wohl liegen würde, dass die Raststätte einen so großen Zuspruch hat. Viele auswärtige Kraftfahrer und andere Gäste legen in Jutrichau einen Reisestopp ein. Der Grund hierfür liegt in einem jahrzehntelangen guten Ruf der Raststätte bis zum heutigen Tage. Man war und ist stets bemüht, die Gäste schnell, zuvorkommend und mit gutem, reichlichem und preisgüns­tigem Essen zu bedienen. Auch das reichhaltige und abwechslungsreiche Angebot an Speisen lockt viele Gäste an.

Nach 1990 übernahm die Tochter Katrin die Restauration. Sie führt mit Umsicht bis heute die bekannte und beliebte „Raststätte Jütrichau.“

Aus dem Zerbster Heimatkalender 2008
Mit freundlicher Genehmigung von Helmut Hehne